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Nicht „Loslassen" sondern dem Verstorbenen einen guten Platz in unserem Leben geben
Vor zwanzig Jahren gab es in Deutschland einzig Phasenmodelle des Trauerns zu lesen und zu lernen. Ausgehend von John Bowlby und Elisabeth Kübler-Ross wurden Trauerprozesse eingeteilt in vier oder fünf Phasen, die allesamt in der menschlichen Psyche verortet wurden. Trauerprozesse wurden betrachtet wie Krankheitsverläufe, oder positiver formuliert wie Gesundungsprozesse, die mit der Verleugnung eines Verlusts beginnen und über verschiedene Gefühle und Beschäftigungen mit dem verstorbenen Menschen zu einem neuen Verhältnis zu sich selbst und zur Welt allgemein führen, in der der verstorbene Mensch keine oder so gut wie keine Rolle mehr spielt.
Es gibt in der Beschäftigung mit Trauer einige Worte, die sehr zu falschen Assoziationen einladen – Trauerarbeit ist so eins. Im Lauf der „Trauerarbeit“ sollte eine möglichst gründliche Ablösung von der oder dem Toten stattfinden. Dies sollte vor allem geschehen durch das „Loslassen“, ein weiteres Wort mit einer mißverständlichen Bedeutungsgeschichte. Das berüchtigte Loslassen wurde und wird von vielen Trauernden als „Fallen lassen“ interpretiert, etwas das sie unmöglich tun können. Ebenso ist es für viele Trauernde nicht zumutbar, eine mehr oder weniger vollständige Ablösung ihrer Gefühle und Gedanken von den Toten zu erreichen!
J.W. Worden war der Theoretiker, der diesen Widerspruch vieler Angehöriger aufgegriffen hat bei der Neuformulierung seiner „Aufgaben des Trauerns“….
… „den Toten einen neuen Platz zuweisen“ (Worden 1991). 
Verstorbene müssen nicht aus der Erinnerung, dem täglichen Denken und Sprechen der Hinterbliebenen verschwinden, damit sie ein glückliches und den Lebenden zugewandtes Leben führen können. Sie dürfen und oftmals müssen einen Platz in den Köpfen, Herzen und auch in dem Alltag der sie liebenden Menschen behalten. Wichtig ist dabei, dass der Platz ein neuer Platz ist – die Bindung an einen lebenden Menschen ist naturgemäß eine andere als die an einen verstorbenen.
Ein neuer Platz braucht vollständige Erinnerungen….
……..Trauerprozesse können ohne uns zu belasten ein Leben lang dauern, wenn wir sie mit der vergehenden Zeit immer stärker in ihren positiven Anteilen von Dankbarkeit, liebevoller Erinnerung, Verinnerlichung des in der Beziehung Gelernten und Leben eines positiven Vermächtnisses erleben.
Auszug aus einem Artikel von Chris Paul (Trauerbegleiterin)
Der ganze Artikel ist nachzulesen auf: www.chrispaul.de/artikel.html
Bildquelle AdriMar

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Neueste Kommentare

02.05 | 19:12

<3 denk an dich

...
28.11 | 19:11

Du bist immer da... wir reden von Dir und auch mit Dir...
Warum?? Warum musstes du schon gehen??
Es ist immer noch nicht zu fassen 😞

...
16.10 | 13:46

tief berührt... Ich habe 2 Brüder und eine Schwester ... Sie sind noch real auf dieser Welt
Claudia

...
14.08 | 11:41

DU fehlst mir sooooooooooooooooo

...
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